Interview zur Situation PRO Deutschlands im Bergischen Land: „Der Motor sind wir alle!“

Mikrofon Neumann U87

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Der langjährige Kommunalpolitiker Andre Hüsgen, der einen guten Überblick über das Wirken PRO Deutschlands im Bergischen Städtedreieck wie auch im Oberbergischen Kreis hat, war der Gesprächspartner für das Sommer-Interview 2017.

Für einen Politiker eher unüblich trafen wir zum großen Sommer-Interview den Remscheider Ratsherrn Andre Hüsgen völlig offen an und erlebten ein durchaus spannendes Gespräch, bei dem Hüsgen auch aus dem sprichwörtlichen Nähkästchen plauderte:

„Herr Hüsgen, Sie gelten als der politische Motor der PRO-Bewegung des Bergischen Landes …

(Hüsgen unterbricht): Falsch! Sie sollten vielleicht wissen, dass ein Motor aus hunderten, tausenden Teilen besteht. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel der Komponenten, vom Schmiermittel bis zum Zylinder. Wenn ich aber Ihren Vergleich bemühen darf, sehe ich mich in der Rolle der Zündkerze, die hin und wieder einen Funken gibt, die den Motor ans Laufen bringt. Deshalb gilt mein Dank an dieser Stelle den vielen Mitstreitern vor Ort, die uns über Jahre hinweg die Treue gehalten haben und ohne die unser politischer Kampf nicht möglich wäre.

Wie läuft derzeit die politische Arbeit? Außerparlamentarisch ist es ja eher ruhig geworden.

In der Tat konzentrieren wir uns momentan auf unsere Ratsarbeit in den Städten Solingen, Remscheid, Wuppertal und Radevormwald im Oberbergischen Kreis. Dies hat den erfreulichen Hintergrund, dass mit der AfD nun eine Partei am Start ist, die erstmals die Interessen vieler rechtsdemokratischer Bürger in alle Landtage und den Bundestag trägt. Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, waren wir immer eine Regionalpartei, die vor Ort zwar stark ist, die Sachwalter und Ansprechpartner für die Bürger unserer Heimatstädte ist, aber letztlich nie landes- oder bundespolitische Ambitionen hatte.

Andre Hüsgen

PRO-Deutschland-Beauftragter für Remscheid

Wir bereiten einen umfassenden Neustart unserer doch etwas angestaubten Internet-Seiten vor und werden in diesem Rahmen auch Videos anbieten können. In der Pilotphase werden wir mit PRO WUPPERTAL TV an den Start gehen und dann sukzessive die anderen Städte aufschalten. Sie sehen, es gibt also auch in Zeiten relativer Ruhe genug zu tun!

Beim letzten Interview bemängelten Sie, dass Ihnen die Verwaltungen und Altparteien die kommunalpolitische Arbeit möglichst erschweren möchten, Sie regelrecht angefeindet werden. Hat sich in dieser Hinsicht etwas getan?

Das ist höchst unterschiedlich. Ich muss etwas ausholen: In Solingen wurde von einer radikal linken Kampftruppe unter den Augen und ohne Widerspruch des neuen SPD-Oberbürgermeisters Tim Kurzbach unser Ratsmitglied Stephan Hövels während einer Plenarsitzung tätlich angegangen und von denselben aggressiven Ideologen aus dem Publikum niedergebrüllt. So etwas habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt! Da Kurzbach nichts dagegen unternahm, stellen wir nun selbst immer eine möglichst starke Delegation, die unser Solinger Ratsmitglied unterstützt und bei Bedarf direkt die Polizei informiert, die auch bereits Anzeigen gegen einen sich besonders pöbelhaft verhaltenden Linksextremisten aufgenommen hat. Vor einiger Zeit wurde dann endlich verwaltungsseitig durchgriffen und ein anarchistischer Störer gleich zu Beginn der Ratssitzung vom Ordnungsdienst entfernt.

Mit der gleichen Arroganz wie seit Anbeginn der Amtsperiode begegnet man uns immer noch in Wuppertal. Dies bedeutet allerdings auch, dass wir niemals offenen Widerspruch zu unseren Ratsinitiativen erhalten. Höchst beschämend ist es, dass die beiden über die AfD-Liste gewählten Ratsmitglieder, die ihre Partei allerdings kurz nach der Wahl von 2014 verließen, nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise Kritik beispielsweise am Asylchaos übten, sondern immer brav mit den Altparteien stimmten, um bloß nicht anzuecken. Schade um die knapp 3.000 verratenen Wählerstimmen! Viele Bürger sind hingegen von den Auftritten unserer Mandatsträger begeistert. In Wuppertal gibt es ein RATS-TV, in dem sich interessierte Menschen die Geschehnisse immer live bzw. später auch als Aufzeichnung ansehen können. Hierdurch erhalten wir sehr viel Zuspruch.

In Remscheid erleben wir immer wieder ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits schlägt uns hier auch völlige Abneigung entgegen, andererseits wissen wir ja anhand der geheimen Wahlen, dass uns einige Ratsmitglieder der anderen Parteien doch nicht so schlecht finden. Außerdem haben wir hier einige annähernd freundschaftliche Kontakte zu Ratsmitgliedern anderer Parteien. Warum auch nicht? Im Gegensatz zu den Parteien des linken Randes akzeptieren wir demokratische Wahlergebnisse und begegnen jedem freundlich, dessen Gesichtsausdruck nicht allein wegen unseres Anblicks auf Hass schaltet.

In Radevormwald bzw. Oberbergischen Kreis haben wir mit Udo Schäfer einen äußerst beliebten und sehr auf Sachlichkeit orientierten Mandatsträger, der mit vielen seiner kommunalpolitischen Kollegen gut auskommt und durchaus auch eingebunden wird. „Uns Udo“ ist wirklich das, was man ein Rader Urgestein nennen kann – und dies spiegelt sich auch in der Durchsetzung der politischen Agenda wider.

Eine klare politische Linie ist dennoch oft nicht zu erkennen. Mal setzen Sie sich für Rentner ein, ein anderes Mal für Hartz-IV-Empfänger, für Unternehmer gleichermaßen wie für Angestellte. Für Schüler bzw. Kinder, für Eltern, aber auch für Lehrer. Fehlt da nicht die politische Schärfe?

Keineswegs, und ich halte eine derartige Unterstellung für substanzlos. Wir machen keine Klientelpolitik und setzen uns für alle ein, die Leistungsträger dieses Landes sind, waren oder sein werden. Ein Beispiel: Wenn man berücksichtigt, dass wir nicht mehr in den 1960er oder 1970er Jahren leben, als man fast immer nach der Lehre oder dem Studium bis zum Renteneintritt seine Karriere mit kontinuierlich steigendem Einkommen planen konnte, dann ist es absolut kein Widerspruch, für Hartz-IV-Empfänger und für Menschen, denen es momentan wirtschaftlich gut geht, gleichermaßen ein politisches Angebot zu unterbreiten. Wir machen allerdings keine Minderheitenpolitik!

Wir leben in Zeiten, in denen einfach so jährlich schlappe 30 Milliarden Euro für die Gäste von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aus dem Ärmel geschüttelt werden. Was für ein Schlag ins Gesicht all jener in der obigen Aufzählung genannten Bürger, denen immer gesagt wurde, es sei kein Geld vorhanden für Steuerentlastungen, Erhöhungen von Renten, Hartz IV, Kindergeld oder auch Modernisierungen von Schulgebäuden, Krankenhäusern, Straßen usw.! Der gewöhnliche Steuerzahler wird in diesem Land immer weiter geschröpft bei einer rasant fortschreitenden Minderung der Freizeitqualität. Oder hat es noch etwas mit Spaß zu tun, wenn Großveranstaltungen durch mitunter nutzlose Barrieren wie beispielsweise Wasserkanister geschützt werden müssen, damit kein Merkel-Gast auf die Idee kommt, mit einem LKW Amok zu fahren? Hat es noch was mit Freude zu tun, durch unsere Innenstädte zu flanieren und sich zuweilen vorzukommen wie in einer Geisterbahn?

Sicher nicht. Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Hüsgen!“